THT-Mitgliederversammlung: Thüringer Handwerk fordert mehr Tempo bei Entlastung und Fachkräftesicherung

Das Thüringer Handwerk zieht eine gemischte Bilanz der vergangenen Monate und fordert von der Politik mehr spürbare Entlastungen im Betriebsalltag. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Thüringer Handwerkstags (THT) Ende August standen neben dem Bericht von Präsident Stefan Lobenstein die wirtschaftliche Lage, aktuelle politische Vorhaben sowie die Zukunft der beruflichen Bildung im Mittelpunkt. Gastgeber war die Handwerkskammer Südthüringen.

Rund 30.000 Handwerksunternehmen mit etwa 150.000 Beschäftigten und mehr als 7.000 Auszubildenden prägen die Wirtschaft im Freistaat. Viele Betriebe stehen weiterhin unter Druck: Steigende Energie-, Material-, Personal- und Finanzierungskosten sowie geopolitische Risiken erschweren die wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig braucht es schnellere Genehmigungen, einfachere Förderverfahren und verlässliche Rahmenbedingungen.

„Die Qualität eines politischen Beschlusses zeigt sich in seiner Umsetzung“, betonte THT-Präsident Stefan Lobenstein. Politische Entscheidungen müssten sich daran messen lassen, ob sie bei den Unternehmen tatsächlich ankommen – mit kürzeren Verfahren, verständlichen Anträgen und konkreten Entlastungen.

Fortschritte bei Meisterförderung und Berufsorientierung

Positiv bewertet der THT die verbesserte Meisterförderung. Der Meisterbonus wurde auf 2.000 Euro verdoppelt, die Meistergründungsprämie auf 10.000 Euro erhöht. Hinzu kommen eine Ausbildungsplatzprämie von 2.500 Euro sowie eine Meisterprämie von 1.000 Euro für die besten Absolventinnen und Absolventen. Auch die Verstetigung der Praktikumsprämie sieht der THT als wichtigen Baustein der Nachwuchsgewinnung. Die Berufsorientierung müsse zugleich weiter gestärkt und auf alle Schulformen ausgeweitet werden.

Bürokratieabbau muss im Betrieb ankommen

Das Erste Thüringer Entlastungsgesetz und insbesondere die kleine Bauvorlageberechtigung für qualifizierte Meisterinnen und Meister des Bauhandwerks werden als wichtige Schritte begrüßt. Gleichzeitig fordert der THT weitere Maßnahmen: Genehmigungen und Förderverfahren müssten einfacher, schneller und verlässlicher werden. Bürokratieabbau müsse sich im konkreten Betriebsalltag bemerkbar machen.

Fachkräftesicherung und Ausbildung stärken

Großen Handlungsbedarf sieht der THT bei der Fachkräftesicherung. Dazu gehören neben Berufsorientierung, Ausbildung und Meisterqualifikation auch bessere Mobilitätsmöglichkeiten für Auszubildende. Der THT fordert deshalb eine Unterstützung von Ausbildungsbetrieben, die ihren Auszubildenden eine für den Beruf erforderliche Fahrerlaubnis für Pkw-Anhänger-Kombinationen ermöglichen.

Für die kommende ESF-Förderperiode ab 2028 fordert der THT zudem die Sicherung der Drittelfinanzierung der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) durch Bund, Land und Ausbildungsbetriebe. „Die Sicherung der Drittelfinanzierung ist eine zentrale Voraussetzung für die Zukunft der beruflichen Bildung im Handwerk“, betonte Lobenstein. Gerade kleine und mittlere Betriebe dürften nicht durch zusätzliche Ausbildungskosten belastet werden.

Kritik an neuen Strukturen

Kritisch begleitet der THT die geplante Arbeitnehmerkammer, das Azubiwerk und die diskutierte Ausweitung des Bildungsurlaubs auf Auszubildende. Der Handwerkstag setzt stattdessen auf die Stärkung bestehender Kammer-, Innungs- und Verbandsstrukturen. Diese böten bereits regionale Nähe und konkrete Ansprechpartner für Betriebe, Beschäftigte und Auszubildende.

Eine pauschale Ausweitung des Bildungsurlaubs auf Auszubildende lehnt der THT ab. Ausbildungsbetriebe benötigten Planungssicherheit und verlässliche Abläufe. Sollte an einer Regelung festgehalten werden, müsse aus Sicht des Handwerks zumindest ein klarer Berufs- und Arbeitsweltbezug gewährleistet sein.