Thüringer Handwerk: Politische Beschlüsse müssen im Betriebsalltag ankommen
Beim 32. Parlamentarischen Abend des Thüringer Handwerks sind am Mittwochabend (25. März 2026) Vertreterinnen und Vertreter aus Handwerk und Politik im Thüringer Landtag zusammengekommen. Unter dem Motto „Vom Versprechen zur Praxis: Handwerkspolitik, die Wirkung zeigt?!“ stand die Frage im Mittelpunkt, welche politischen Maßnahmen in den Betrieben tatsächlich ankommen – und an welchen Stellen weiterhin nachgesteuert werden muss.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Dr. Thadäus König, Präsident des Thüringer Landtags. Im Anschluss zog Stefan Lobenstein, Präsident des Thüringer Handwerkstags (THT) e. V., eine differenzierte Bilanz der aktuellen Handwerkspolitik. Er machte deutlich, dass politische Entlastung für das Handwerk erst dann Wirkung entfaltet, wenn sie im betrieblichen Alltag spürbar wird.
Im Zentrum des Abends stand ein moderiertes Gespräch mit führenden Vertretern der im Thüringer Landtag vertretenen Fraktionen. Diskutiert haben Jörg Prophet (stellv. Fraktionsvorsitzender AfD), Andreas Bühl (Fraktionsvorsitzender CDU), Matthias Herzog (wirtschaftspolitischer Sprecher BSW), Christian Schaft (Fraktionsvorsitzender DIE LINKE) und Lutz Liebscher (Fraktionsvorsitzender SPD).
Fortschritte anerkannt – Defizite klar benannt
Aus Sicht des Thüringer Handwerks, so THT-Präsident Stefan Lobenstein, gibt es erste politische Fortschritte, die in die richtige Richtung weisen. Dazu zählen insbesondere die Verstetigung der Praktikumsprämie, die sich als wirksames Instrument der Nachwuchsgewinnung bewährt hat, die verbesserten Förderbedingungen für Meisterinnen und Meister sowie das Bürokratieabbaugesetz I als erster Schritt in Richtung Entlastung.
Gleichzeitig kritisierte er, dass viele Betriebe weiterhin mit zu hohem Verwaltungsaufwand, komplizierten Förderverfahren und langwierigen Abläufen konfrontiert seien. Nicht allein gesetzliche Vorgaben seien das Problem, sondern zunehmend auch der konkrete Verwaltungsvollzug. Stefan Lobenstein brachte die Erwartung des Thüringer Handwerks auf den Punkt: „Bürokratieabbau darf nicht nur auf dem Papier stehen. Er muss in den Köpfen ankommen. Er muss in den Dienstanweisungen stehen. Er muss in den Förderprogrammen spürbar werden.“ Das Thüringer Handwerk fordert deshalb, den Bürokratieabbau nicht nur gesetzlich zu beschließen, sondern auch in den Behörden und Förderstrukturen praktisch wirksam werden zu lassen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war das Thema Fachkräftesicherung. Das Thüringer Handwerk betonte, dass berufliche Orientierung stärker an realen Bedarfen des Arbeitsmarktes ausgerichtet werden müsse. Die duale Ausbildung müsse gesellschaftlich noch stärker aufgewertet, praxisnahe Berufsorientierung an Schulen ausgebaut und berufliche Bildung verlässlicher unterstützt werden. Der Thüringer Handwerkstag forderte unter anderem eine konsequente Umsetzung der Landesstrategie zur beruflichen Orientierung, mehr praktische Erfahrungsräume für Schülerinnen und Schüler sowie eine dauerhafte Stärkung der Bildungsstätten des Handwerks.
Der 32. Parlamentarische Abend machte deutlich: Das Thüringer Handwerk sucht nicht nur den Dialog mit der Politik, sondern bringt sich als Praxispartner aktiv in die Debatte ein. Es kennt erreichte Fortschritte an, erwartet aber zugleich, dass politische Entscheidungen und Verwaltungsabläufe für die rund 30.000 Handwerksbetriebe im Freistaat spürbar einfacher und praxistauglicher werden.
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